// Markt- und Absatzanalyse des zukünftigen sektorspezifischen Wasserstoffbedarfs

Szenarienanalyse

Für einen genaueren Überblick über die Bandbreite des zukünftigen sektorspezifischen Wasserstoffbedarfs in Deutschland wurde eine Szenarienanalyse durchgeführt. Im Hinblick auf die nationalen Klimaschutzziele lag der Fokus hierbei insbesondere auf ambitionierten Szenarien, welche eine Treibhausgasminderung von mindestens 90/95 % bis 2050 unterstellen. Um mögliche Bandbreiten in der Entwicklung besser darstellen zu können, wurden zum Vergleich jedoch auch Szenarien mit geringerem Ambitionsniveau herangezogen.

Die Szenarienauswertung für den Wasserstoffbedarf im Jahr 2030 ergibt eine Bandbreite zwischen 45 TWh (1,36 Mio. t H2) und 334 TWh (10,1 Mio. t H2), wobei lediglich bei einem der 14 Szenarien der prognostizierte Bedarf über 137 TWh (4,15 Mio. t H2) liegt. Der Bedarf nimmt in allen betrachteten Szenarien bis 2050 deutlich zu. Insgesamt ergibt sich 2050 eine relativ große Bandbreite zwischen 129 TWh (3,91 Mio. t H2) und 706 TWh (21,4 Mio. t H2). Hinsichtlich der sektoralen Nutzung fallen dabei starke Unterschiede zwischen den Studien auf. Zahlreiche Studien sehen eine primäre Wasserstoffnutzung im Verkehrsbereich, wobei auch die industrielle Nutzung insgesamt deutlich zunimmt. Ein umfangreicherer Einsatz von Wasserstoff im Bereich Gebäudewärme erfolgt hingegen lediglich in den ambitioniertesten Szenarien mit Wasserstofffokus.

Abbildung 1: Szenarienübersicht über künftigen Wasserstoffbedarf in Deutschland nach Sektoren.

Im Hinblick auf die zukünftige Wasserstoffnutzung in den Industriebereichen zeigen die identifizierten Szenarien deutlich unterschiedliche Entwicklungstendenzen. Während die Nachfrage in der Grundstoffchemie auch auf lange Sicht in etwa konstant bleiben wird, sind in der Stahlindustrie aufgrund einer zunehmenden Umstellung von hochofenbasierter Erzeugung auf wasserstoffbasierte Direktreduktion bis 2050 Bedarfe von bis zu 80 TWh zu erwarten. Im Raffineriebereich wird insgesamt ein deutlicher Rückgang von derzeit ca. 23 TWh auf durchschnittlich 1 bis 2 TWh bis 2050 prognostiziert. Es ist jedoch zu beachten, dass die Szenarienverfügbarkeit im Hinblick auf den Wasserstoffbedarf in einzelnen Industriebereichen begrenzt ist und diesen teilweise kein konkretes Ambitionsniveau zur Treibhausgasreduktion zugeordnet werden kann.

Marktpreise und Absatzpotenziale

Abbildung 2: Herstellungs- und Importkosten i.V.m. dem Absatzpotenzial für 2030.

 

Für eine Analyse möglicher Absatzmengen und erzielbarer Preise für grünen Wasserstoff, wurden die Bedarfe aus der Szenarienanalyse verwendet. Die derzeit gängigen Marktpreise relevanter Wasserstoffabnehmer wurden in €/kg Wasserstoff umgerechnet. Dadurch konnten Kostenpotenzialkurven erstellt werden.

Der Mittelwert des Wasserstoffbedarfs steigt bis 2030 auf rund 70 TWh (2,12 Mio. t H2). Den höchsten Bedarf weist dabei die Chemieindustrie auf, gefolgt vom Lkw-Segment, dem Gebäudewärmesektor, dem Pkw-Segment und den Raffinerien. Basierend auf den heutigen Endverbraucherpreisen, weist der Verkehrsbereich die höchsten Marktpreise auf und ist deshalb auf der linken Seite angesiedelt.

Abbildung 3: Herstellungs- und Importkosten i.V.m. dem Absatzpotenzial für 2050.

In die Analyse wurden ebenso prognostizierte Wasserstoffherstellungs- und -importkosten für 2030 und 2050 miteinbezogen (s. grüne gestrichelte Linien in Grafiken). Dadurch können die Marktpreise der Verbraucherbranchen mit den Kosten des Wasserstoffs verglichen werden und Handlungsspannen abgeleitet werden.

Bis 2050 steigt der Mittelwert der Wasserstoffnachfrage in den betrachteten Szenarien deutlich auf jährlich knapp 380 TWh (11,5 Mio. t H2) an. Die dominierende Nachfrage kommt im Jahr 2050 aus dem Verkehrssektor, wobei das Lkw-Segment der größte Einzelnachfrager wird, gefolgt vom Pkw-Segment und der Gebäudewärmebereitstellung noch vor der Stahlindustrie und der Chemieindustrie.

Die gesamte Analyse kann auf dieser Webpage unter Downloads heruntergeladen werden !